Wer in Europa eine Ferienunterkunft mit Lademöglichkeit für Elektroautos buchen möchte, zahlt im Durchschnitt fast 50 Prozent mehr. Doch es gibt sowohl beim Preis als auch bei der Verfügbarkeit regional große Unterschiede. In Südtirol ist fast jede vierte Unterkunft ausgestattet. In Deutschland liegt der Spreewald ganz vorne. Unsere aktuelle Erhebung zeigt, wie stark sich Urlaubsregionen in Deutschland und Europa auf die Bedürfnisse von E-Auto-Reisenden eingestellt haben. Untersucht wurden über 560.000 Angebote in 15 deutschen sowie 50 beliebten europäischen Destinationen mit Blick auf Ladeinfrastruktur direkt an der Unterkunft sowie die Parkplatzsituation.
Erfahre hier, wie die verschiedenen Urlaubsregionen im Vergleich abschneiden.
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09.03.2026

Mit der wachsenden Verbreitung von Elektroautos verändert sich auch die Urlaubsplanung: Für viele Reisende wird nicht mehr nur die Lage der Unterkunft entscheidend, sondern die Frage, ob das eigene Fahrzeug dort unkompliziert abgestellt und geladen werden kann. Als Deutschlands führender Anbieter für Auto Abos mit einem hohen Anteil elektrifizierter Fahrzeuge untersuchen wir daher, wie gut touristische Regionen auf diese neuen Anforderungen vorbereitet sind und welche praktischen Auswirkungen das auf Reisende hat.
Für den „Roadtrip-Check“ wurden mehr als 560.000 buchbare Ferienunterkünfte in 15 deutschen und 50 europäischen Urlaubsregionen ausgewertet. Analysiert wurde, ob Unterkünfte einen privaten Parkplatz anbieten, ob eine Lademöglichkeit direkt am Objekt vorhanden ist und wie sich diese Ausstattung auf den Übernachtungspreis auswirkt. Ziel der Auswertung ist es, die tatsächliche Alltagstauglichkeit verschiedener Reiseziele für Roadtrips vergleichbar zu machen – unabhängig davon, ob Gäste mit Elektroauto oder Verbrenner unterwegs sind.
In Deutschland zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen einzelnen Regionen. Besonders gut aufgestellt sind vor allem klassische Natur- und Aktivregionen. Im Spreewald bieten 13,0 Prozent der Unterkünfte eine Lademöglichkeit, im Allgäu 11,8 Prozent und im Berchtesgadener Land 11,0 Prozent. Ganz anders sieht es in vielen Küsten- und Badezielen aus. Auf Usedom verfügen nur 2,0 Prozent der Unterkünfte über eine Ladesäule, in der Ostseeregion 5,1 Prozent und an der Mecklenburgischen Seenplatte 5,5 Prozent.
Neben der Verfügbarkeit wurde auch untersucht, wie stark sich eine Lademöglichkeit direkt an der Unterkunft preislich bemerkbar macht. Besonders hohe Aufschläge fallen im Allgäu an, wo Unterkünfte mit Ladepunkt durchschnittlich 50,6 Prozent teurer sind. Auch auf Usedom (+49,0 Prozent) sowie in der Ostseeregion (+46,0 Prozent) steigt der Preis erheblich. Deutlich moderater fallen die Zuschläge im Spreewald (+6,8 Prozent), an der Mecklenburgischen Seenplatte (+21,3 Prozent) und am Bodensee (+21,8 Prozent) aus.
Noch deutlicher werden die Unterschiede im europäischen Vergleich. Besonders Regionen im Alpenraum positionieren sich sichtbar für Gäste mit Elektroauto. In Südtirol bietet bereits ein Viertel der Unterkünfte eine Lademöglichkeit (24,1 Prozent), in Nordholland sind es 20,0 Prozent und im Salzburger Land 18,4 Prozent.
Klassische Mittelmeer-Destinationen fallen dagegen stark ab. An der Costa del Sol liegt der Anteil bei nur 1,8 Prozent, in Dalmatien bei 2,1 Prozent und auch in Andalusien bleibt das Angebot sehr gering.
Im europäischen Ausland wird die Lademöglichkeit häufig noch stärker als Premiumleistung positioniert. Besonders extreme Unterschiede zeigen sich in klassischen Sonnenregionen. An der Costa del Sol steigen die Unterkunftspreise im Schnitt um 113,4 Prozent, an der Côte d’Azur um 112,8 Prozent und in Dalmatien um 109,0 Prozent. Die geringe Verbreitung trifft hier auf hohe Nachfrage – entsprechend groß fällt der Preisaufschlag aus.
Interessant ist jedoch das Gegenbild: In einzelnen Regionen sind Unterkünfte mit Ladepunkt sogar günstiger als vergleichbare Angebote ohne Filter. Entlang der Transfăgărășan-Straße sinkt der Preis um durchschnittlich 6,6 Prozent, im Berner Oberland um 5,2 Prozent und rund um das Ijsselmeer um 2,7 Prozent.
Über viele Regionen hinweg zeigt sich ein Zusammenhang: Je verbreiteter Ladepunkte sind, desto geringer fällt ihr Einfluss auf den Übernachtungspreis aus. In Regionen mit geringer Abdeckung dagegen entsteht ein künstlich knappes Gut, das einzelne Anbieter deutlich teurer anbieten können.
Regional verläuft diese Trennlinie vor allem zwischen aktiv geprägten Naturregionen und klassischen Badezielen. Während viele alpine und ländliche Destinationen früh in private Infrastruktur investiert haben, bleibt das Laden in dicht bebauten Urlaubsgebieten oft von wenigen Unterkünften abhängig. Dort wird Komfort zur optionalen Zusatzleistung.
Für Reisende bedeutet das: Die Unterschiede liegen weniger zwischen Ländern als zwischen Infrastruktursystemen. Wer in Regionen mit hoher Ladeabdeckung unterwegs ist, plant seine Reise kaum anders als mit einem Verbrenner. In Regionen mit niedriger Verfügbarkeit hingegen wird die Wahl der Unterkunft selbst zum entscheidenden Bestandteil der Routenplanung – und häufig auch zum Kostenfaktor.
Wer keine Lademöglichkeit benötigt, ist in der Regel trotzdem auf einen Parkplatz direkt an der Unterkunft angewiesen: Über alle 65 untersuchten Regionen hinweg verfügen im Schnitt 86,3 Prozent der Unterkünfte über einen Parkplatz, deutsche Regionen liegen mit 90,4 Prozent sogar darüber. Besonders hoch ist die Verfügbarkeit entlang der Transfăgărășan-Route (99,3 Prozent), auf den Lofoten (97,9 Prozent) sowie im Riesengebirge und im Böhmerwald (jeweils 97,8 Prozent). Deutlich schwieriger wird die Suche dagegen in Spanien. Dort befinden sich die drei Regionen mit dem niedrigsten Wert: Im Baskenland bieten nur 56,1 Prozent der Unterkünfte Parkmöglichkeiten, in Andalusien 56,7 Prozent und an der Costa del Sol 58,1 Prozent.
Die Analyse macht deutlich, dass sich die Reisebedingungen gerade neu sortieren. Ein eigener Parkplatz gehört in den meisten Regionen inzwischen zur Grundausstattung, die Möglichkeit zum Laden dagegen noch längst nicht. Wo Ladepunkte flächendeckend vorhanden sind, wird Elektromobilität im Urlaub planbar und preislich unspektakulär. Wo sie fehlen, wird sie zum knappen Zusatzkomfort – mit spürbaren Auswirkungen auf Verfügbarkeit, Organisation und Budget.
Damit entscheidet die Infrastruktur einer Region zunehmend über die tatsächliche Alltagstauglichkeit eines Reiseziels. Für Reisende bedeutet das: Die Wahl der Destination beeinflusst heute nicht nur Landschaft und Unterkunftstyp, sondern auch den Aufwand der Reiseplanung. Für Urlaubsregionen wiederum wird Ladeinfrastruktur zum Wettbewerbsfaktor – nicht als technisches Detail, sondern als Teil des Gesamterlebnisses vor Ort.
Für die Untersuchung hat FINN die Kosten für Unterkünfte mit und ohne Aufladestation für Elektroautos in 50 beliebten internationalen sowie 15 deutschen Urlaubsdestinationen auf der Website Booking.com erfasst und miteinander verglichen. Dafür wurden die Preise von 113.364 Angeboten analysiert. Zudem wurde der Anteil der verfügbaren Unterkünfte mit Aufladestation für Elektroautos sowie mit Parkplatz untersucht. Dafür wurden insgesamt 564.034 Suchergebnisse ausgewertet.